Interview mit Corvus Corax zur DVD "Cantus Buranus"


corvus_corax_cantus_buranus_liveaufnahme1. Gratulation zur gelungenen Doppelaufführung von "Cantus Buranus" auf der Museumsinsel. Diese Konzerte haben sich ja in einigen Punkten deutlich von bisherigen Konzerten unterschieden. Was ist euer Eindruck? Worin liegen aus eurer Sicht die wichtigsten Unterschiede zwischen den Museumsinsel-Konzerten und einem "normalen" Konzert?

Na schönen Dank recht sehr. - Der grundsätzliche Unterschied ist eindeutig in der Konzertbesetzung zu sehen. Schließlich standen wir mit über 170 Musikern auf der Bühne. Es ist schon ein sehr archaischer Moment unser Werk mit einem Symphonischen Orchester und zwei Chören aufzuführen. Unser Augenmerk bei dieser Komposition war es, einen Brückenschlag von der Antike bis in die heutige Zeit zu schlagen.

2. Ihr seid - vermutlich erstmals in der Bandgeschichte von Corvus Corax - bei Konzertbeginn nicht auf die Bühne gelaufen, sondern mit einem Streitwagen vorgefahren. Wie kam es zu diesem spektakulären Intro? Wer hatte die Idee dazu? Möchtet ihr in Zukunft immer so auftreten?


In den früheren Zeiten gab es keine so strikte Trennung zwischen Musik Schauspiel oder anderen Künsten. Es ist also für uns wichtig unsere Musik nicht nur konzertant darzubieten. Da in der Mittelalterlichen Liedsammlung Carmina Burana etliche Zitate Antiker Dichter wie z.B. Ovid zu finden sind, lag es für uns nahe unsere "Zeitreise" mit einer rasanten fahrt mit einem Römischen Streitwagen zu beginnen.


3. Besonders Ingeborg Schöpf fiel nicht nur durch ihre Stimme auf, sondern ebenfalls durch ihr Kostüm und ihren Auftritt (wurde auf einem Schild getragen). Sollte mit dem Kostüm und/oder dem Auftritt etwas ausgesagt werden, oder war es einfach der Optik wegen?


Es währe schlimm wenn wir uns nichts dabei denken würden. Der erste Auftritt unserer Operndiva begann also natürlich damit, dass sie auf einem Schild getragen wird. Schließlich wollen wir doch nicht riskieren dass sie sich blasen läuft. Ihr wunderbares Pfauenfederkostüm drückt die Verbundenheit eines Bauernmädchens (Rustica puella) mit der Natur aus. Aber schließlich sollte jeder Betrachter seine eigene Phantasie spielen lassen.


4. Das Publikum der Konzerte war bunt gemischt, es waren auch Klassikfans darunter. Wie hat die Klassikszene in Deutschland auf die Aufführungen reagiert? Seid ihr der Meinung, dass eure Akzeptanz in der Klassikszene durch das Konzert gestiegen ist?


Ich denke, das kann jetzt noch nicht so schnell gesagt werden.

Wenn unser Werk in zweihundert Jahren immer noch gespielt wird und es noch so etwas wie eine Klassikszene gibt, sicherlich.


5. Ihr habt in der Doku auf der DVD die Hoffnung geäußert, dass durch "Cantus Buranus" bzw. die beiden Konzerte der Graben zwischen E- und U-Musik, den man in Deutschland deutlich spüren kann, ein wenig zugeschüttet wird. Die Doku wurde kurz vor bzw. nach dem Konzert aufgenommen. Wie seht ihr das heute, ein gutes halbes Jahr später? Hat sich diese Hoffnung erfüllt?


Es ist schon merkwürdig überhaupt einen Graben zwischen so genannter E- und U- Musik zu ziehen. Ich kann dazu nur sagen, wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Nicht umsonst werden immer mehr Orchester aufgelöst.

Was unter anderem an der Ignoranz der E- Musik Verfechter liegt. Leider haben manche Leute panische angst vor neuem. Bach – Mozart – oder Händel hatten es in diesen Punkt auch nicht immer leicht. Selbst Karl Orff wird heute noch von Klassikhardlinern attackiert. Zum Glück ist uns dass aber alles egal. Entscheidend ist für uns immer noch das Publikum. Eben nur dies gibt seit je her seine unmittelbare und unbestechliche Meinung dazu ab. Und dies äußert sich im Applaus nach einer Aufführung.


6. Was plant ihr als nächstes? Wieder ein Tanzwut-Album? Falls ja: inwiefern wird die neue Tanzwut-CD von Cantus Buranus beeinflußt sein?


Unser neues Tanzwut Doppelalbum ist gerade fertig geworden. Es heißt "Schattenreiter" und wird am 07.Aprill veröffentlicht. Es ist garantiert fast Klassikfrei..

Wir werden dann natürlich auch vom 04. bis 20. Mai auf Tour gehen.

Informationen dazu sind auf unserer Seite www.tanzwut.com zu finden.


7. Wird Cantus Buranus eines Tages fortgesetzt? Schließlich enthalten die "Carmina Burana" noch über 200 Texte, die bisher niemand vertont hat (auch Herr Orff nicht).


Die nächste Cantus Buranus Vertonung ist schon angedacht. Schließlich handelt es sich bei der Carmina Burana um einen großen Schatz an Liedern, die seit etlichen Jahrhunderten darauf warten von uns neu vertont zu werden.


8. Könnt ihr euch vorstellen, eines Tages ein Cantus Buranus-Nachfolgealbum ebenfalls wieder auf der Museumsinsel aufzuführen? Falls ja: was wäre gleich, was würdet ihr beim neuen Konzert an Neuem ausprobieren?


Auf jeden Fall. Es ist nun mal einer der schönsten Orte in Berlin. Wie eine neue Inszenierung aussehen wird kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen.

Wir müssen ja erstmal die Musik dazu schreiben. Vielleicht schreiben wir sie diesmal für zwei Orchester und vier Chöre. Vielleicht so ähnlich wie seinerzeit Georg Friedrich Händel 1748 in London seine Feuerwerksmusik Konzipierte. Unserer Phantasie setzen wir dabei keinerlei Grenzen.


9. Gibt es eventuell (außer der Museumsinsel) einen "Traumort", an dem ihr am liebsten ein Cantus Buranus"-Konzert aufführen würdet?


Ja einige. Unter anderen zum Beispiel die Mailänder Scala oder Sydney Opera.

Vielen Dank für die Antworten!