Douglas Preston/Lincoln Child - Formula - Tunnel des Grauens


Douglas Preston/Lincoln Child - Formula - Tunnel des GrauensBei Bauarbeiten in New York wird ein altes Kellergewölbe aus dem 19. Jahrhundert entdeckt, das die Überreste von insgesamt 36 Menschen enthält. Eine nähere Untersuchung der Leichenteile durch die Archäologin Nora Kelly ergibt, veranlasst durch den FBI-Agenten Pendergast, dass die Leichen dort gegen Ende des 19. Jahrhunderts deponiert wurden, als auf dem heutigen Baustellengelände noch das Kuriositätenkabinett des reichen Sammlers J. Shottum stand, das 1881 abbrannte. Weitere Untersuchungen ergeben, dass die 36 Menschen alle auf grausame Weise zu Tode kamen: ihnen wurden bei lebendigem Leibe (!) Teile des Rückenmarks operativ entfernt.
Agent Pendergast und Nora Kelly forschen im Archiv des New York Museum of Natural History (für das Nora Kelly arbeitet) weiter nach, denn im Archiv sind mehrere Überbleibsel von Shottums Kuriositätenkabinett aufbewahrt. Dabei kommen sie dem Motiv des Täters auf die Spur: offenbar versuchte er, aus dem Rückenmark ein lebensverlängerndes Serum herzustellen.

Nach einem Zeitungsartikel, erstellt von Noras karrierebesessenem Ex-Freund William Smithback, geschehen plötzlich drei weitere Morde, alle im Stile des Täters von damals. Nora Kelly kann dem Täter, der mit einem auffallenden, altmodischen Bowlerhut gekleidet ist, gerade noch entkommen. Und sie beginnt nachzudenken: könnte der Täter von damals mit seiner Formel für das lebensverlängernde Serum erfolgreich gewesen sein? Ist er am Ende heute, über 125 Jahre nach seinen ersten Taten, noch am Leben? Wenn ja: wie kann man ihn stoppen, bevor noch weitere Morde geschehen?

Im Laufe der weiteren Handlung ergeben sich noch einige Überraschungen, die ich hier nicht vorweg nehmen möchte.

Das Autorenduo Douglas Preston und Lincoln Child haben mit "Formula - Tunnel des Grauens" einen sehr spannenden und zugleich grusligen Roman vorgelegt, den ich trotz seiner über 500 Seiten in fast einem Zug durchgelesen habe. Der interne Betrieb des New York Museum of Natural History ist hervorragend beschrieben, was vermutlich daran liegt, dass Douglas Preston früher in genau jenem Museum gearbeitet hat. Die Autoren verstehen es aber auch, in ihrer Beschreibung das New York des 19. Jahrhunderts (mit Schwerpunkt Kuriositätenkabinette) wieder auferstehen zu lassen, hier wurde, so habe ich den Eindruck, gut recherchiert. Die Hauptpersonen (Kelly, Pendergast, Smithback sowie der Täter) sind klar und gut nachvollziehbar beschrieben, ihre Motivation erscheint immer logisch. Stellenweise macht sich eine fast "Poesche" Stimmung im Roman breit, etwa wenn geschildert wird, wie Journalist Smithback durch ein finsteres, verlassenes Haus schleicht - aber ist das Haus wirklich verlassen?

Auffallend ist, dass Preston und Child in "Formula - Tunnel des Grauens" Personen aus anderen Romanen auftreten lassen. So finden wir den Journalisten Smithback bereits in "Relic", (deutsch "Das Relikt") einem Science-Horror-Thriller, der bereits verfilmt wurde. Auch Agent Pendergast kommt bereits in anderen Werken des Autorenduos vor. Dadurch entsteht aus mehreren Werke eine Art "Preston-Child-Universum".

Insgesamt gesehen ist "Formula" ein Science-Grusel-Thriller der Extraklasse, Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, war der (im Nachhinein) wenig passende deutsche Titel, der wohl aufs Konto der Marketingabteilung von Droemer/Knaur geht - warum hat man das Buch nicht einfach "Kuriositätenkabinett" genannt? Aber dafür können die Autoren nichts.