Bernard Craw - Sanguis B - Vampire erobern Köln


sanguis_bJohannes van Aaken Verlag, Köln, April 2006

Titelbild. Karen Holdt

Zeichnungen: Sabine Amediek

Auf einem schwarzen Hintergrund ist das Titelbild angebracht, mit einem Rahmen, der an Polaroid-Fotos erinnert. Auf dem Foto sieht man den Kölner Dom, die Hohenzollernbrücke und in Hintergrund den Colonius (Fernmeldeturm), vor dem blutroten Abendhimmel. Im Hintergrund kann man das Gesicht eines Vampirs erkennen. Damit ist das Thema des Romans umrissen. Sanguis B – Vampire erobern Köln beginnt mit dem Geschichtsstudenten Thomas, der in der Wohnung von Doro aufwacht. Thomas hatte sich Sorgen um Doro gemacht, da sie ein paar Tage lang nicht erschienen war. Als er bei Doro daheim aufkreuzt, findet er den Grund heraus, als Doro ihn in den Hals beißt und er "leicht verändert" wieder aufwacht.  Er hat einen kräftigen Unterkiefer, lange Eckzähne, schnelle Regeneration, eine Allergie gegen Sonnenlicht – und einen Durst auf Blut. Wie zu erwarten: Thomas ist zum Vampir geworden.

Kurze Zeit später ist Thomas’ gesamter Freundeskreis infiziert, aber nicht nur sie: in den Nachrichten ist von einer unheimlichen Mordserie die Rede. Ein Teil der Opfer wird ebenfalls zu Vampiren, aber nur ein Teil. Eine Freundin von Thomas, die Medizinstudentin Epi, versucht herauszufinden, woher der Vampirismus kommt. Als Ursache entdeckt sie ein Bakterium, das bei Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe Vampirismus auslöst. Dabei gilt, dass Vampire frisches Blut intelligenter Lebewesen trinken müssen, Blutkonserven haben für sie keinen Nährwert.

Nebenher beginnt sich die Gesellschaft zu ändern: die Infektion greift um sich, der Vampirismus breitet sich mehr und mehr aus, auch in anderen Städten und Ländern treten Vampirfälle auf. Die Vampire sammeln sich in "Rudeln" und hören auf, im Geheimen zu agieren. Sie übernehmen in Köln und in anderen Städten die Macht. Die Regierung setzt die Bundeswehr ein, ohne Erfolg: ein Teil der gebissenen Soldaten werden selbst zu Vampiren, so dass die Truppen der Vampire immer mehr wachsen, während gleichzeitig die der "normalen" Menschen immer weniger werden. Währenddessen sucht Epi nach einem Mittel, mit dem sich Vampire ernähren können, ohne töten zu müssen. Gleichzeitig machen sich Gerüchte breit, der "Erste" (der allererste Vampir) herrsche in Düsseldorf. Thomas und Ottmar machen sich auf eine wagemutige "Expedition", um den Wahrheitsgehalt dieses Gerüchts herauszufinden.

Bernard Craw weicht in seinem Erstlingsroman "Sanguis B" radikal von der Prämisse ab, auf denen etwa das Rollenspiel "Vampire: the Masquerade" sowie etliche moderne Vampirromane basieren. Ab einem gewissen Punkt agieren die Vampire nicht mehr geheim im Untergruind, sondern ganz offen. Die gesellschaftlichen Auswirkungen, die dies hat., sind logisch dargestellt. Bernard Craw zeigt auch die Schattenseiten auf, etwa den Zwang, als Vampir Menschen töten zu müssen. Konsequenterweise werden einige der Vampire durch ihre Transformation wahnsinnig. Von romantischer Verklärung des Vampirdaseins ist nichts zu spüren, im Gegenteil: der Autor weist sie mit ironisch-süffisanten Anmerkungen zu Anne Rice und anderen Standard-Vampirromanen von sich. Der Roman ist von der Grundstimmung her sehr ernsthaft, aber der Humor kommt dennoch nicht zu kurz. So bildet sich etwa eine Konkurrenz zwischen den Vampirherrschern von Köln und Düsseldorf aus; die klassische Rivalität zwischen den beiden Städten können offenbar selbst die Vampire nicht ablegen.

"Sanguis B" baut auf den Prämissen logisch auf, auch wenn das beschriebene Vampirismus-Bakterium als Ursache mir aus biologisch-medizinischer Sicht als unmöglich erscheint; aber ich bin Physiker und kein Arzt, also kann ich mich hier irren. Es soll auch erwähnt werden, dass die Prämisse "Vampirismus als Infektion" nicht neu ist, sie kam etwa bereits in Richard Mathesons "I am legend" vor. Sehr gut gefallen haben mir das Titelbild sowie die Innenillustrationen. Insgesamt ist der Roman spannend, auch wenn er meiner Meinung nach an ein paar Stellen hätte etwas gekürzt werden können. Empfehlenswert für Leute, die "realistische" Vampirromane mögen, die aus der Sicht der Vampire geschildert werden. Wer Romantik sucht, greife jedoch lieber zu den Büchern von Anne Rice oder ähnlichen Werken.

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