Das Voynich-Manuskript
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- Veröffentlicht am Dienstag, 14. Juni 2005 02:00
- Geschrieben von volkmar
Das Voynich-Manuskript ist eins der wohl rätselhaftesten Schriftstücke
der Geschichte. Es wurde in einer unbekannten Schrift und in einer
unbekannten Sprache verfaßt. Bis heute ist es niemandem gelungen, die
232 Seiten zu entziffern. Selbst Experten des amerikanischen
Geheimdienstes NSA, welcher weltweit auf dem Gebiet der Kryptographie
führend ist, bissen sich am Voynich-Manuskrpit die Zähne aus.Das Manuskript ist benannt nach seinem "Finder" Wilfried M. Voynich, einem Sammler alter Schriftstücke. Er entdeckte das Manuskript 1912 im Jesuitenkolleg in der Villa Mondragone, Frascati (Italien). Seit 1969 ist das Manuskript im Besitz der Yale Universität (Beinecke Rare Book Library, Katalognr. MS 408). Aus einem Brief, geschrieben von J.M. Marci im Jahre 1665/66, wissen wir, dass Kaiser Rudolph II (1552-1612) das Manuskript von einem unbekannten Händler für die damals exorbitante Summe von 600 Golddukaten käuflich erworben hat. 1608 kam das Werk dann in den Besitz von Jacobus de Tepenecz, dem Direktor von Rudophs botanischen Gärten. Nach de Tepenecz Tod im Jahre 1644 gelangte das Voynich-Manuskript in den Besitz von M. Marci. Dieser sandte es zusammen mit dem o.g. Brief an Athanasius Kircher, Jesuit und Gelehrter in Rom. Kircher war einer der führenden Kryptographie-Experten der damaligen Zeit. Er analysierte einen Teil des Manuskripts, konnte es aber offensichtlich nicht entziffern.
Hier verliert sich die Spur des Voynich-Manuskripts zunächst. Der genaue Weg von Kircher zur Villa Mondragone ist unbekannt; man nimmt an, dass das Manuskript wohl eine Zeitlang in einer römischen Bibliothek gelagert wurde, bis es in die Villa Mondragone kam.
Der Inhalt
Wie bereits oben geschrieben, ist das gesamte Manuskript in einer unbekannten Schrift geschrieben, für die es nirgends auf der Welt ein Gegenstück gibt. Daher kann man über den Inhalt nur mutmaßen. Das Manuskript ist jedoch sehr reichhaltig - und farbig - illustriert, wie die Beispielseiten der Voynich Gallery zeigen.
Anhand der Illustrationen wird das Manuskript grob in die folgenden Abschnitte unterteilt (nach G. Landini und R. Zandbergen):
- Ein Abschnitt über Kräuterkunde ("Herbal Section"), zumeist bestehend aus nicht identifizierten Pflanzen
- Ein Abschnitt über Astronomie mit Tierkreis-Symbolen
- Ein Abschnitt über Biologie mit "anatomischen" Abbildungen und nackten menschlichen, meist weiblichen, Figuren, den sog. "Voynich-Nymphen"
- Ein kosmologischer Abschnitt (Sterne und Himmelssphären)
- Ein pharmazeutischer Abschnitt (Vasen und Pflanzenteile)
- Ein Abschnitt mit "Rezepten", der aus vielen kurzen Absätzen besteht
Ergebnisse bisheriger Untersuchungen
Es wurden bereits mehrere Anläufe gemacht, den Sinn des Voynich-Manuskripts zu ergründen.
Das erste ist eine Analyse der Handschriften. Diese ergab, dass der
Text mit großer Wahrscheinlichkeit von mindestens zwei Personen
geschrieben wurde. Beide Verfasser sind mit großer Sorgfalt
vorgegangen. Man findet praktisch keinerlei Hinweise auf
Nachbesserungen im Manuskript, wie sie sonst in vielen
mittelalterlichen handschriftlichen Dokumenten gang und gäbe sind. Das
legt die Vermutung nahe, dass das Manuskript die Abschrift eines
älteren Dokumentes, oder mehrerer älterer Dokumente, ist. Wäre es eine
Urschrift, so wären garantiert mehr Fehler zu finden.Als nächstes bietet sich eine Analyse der Häufigkeit der verschiedenen Zeichen an. Dadurch lässt sich die Entropie eines Textes ermessen. Eine solche Analyse ergab, dass die Entropie des Textes größer ist als bei allen bisher bekannten europäischen Sprachen. Das spricht dafür, dass es sich um sinnvollen Text handelt, und nicht etwa um eine rein zufällige Aneinanderreihung wirrer Symbole. Vor allem kann dadurch ausgeschlossen werden, dass das Voynich-Manuskript ein Schwindel ist. Die Entropie liegt nahe bei der Entropie einiger polynesischer Sprachen, so dass bereits vermutet wurde, dass die Sprache des Manuskripts eine polynesische ist. Deutet man jedoch die Zeichen des Manuskripts als Buchstaben und die Leerstellen als Worttrenner, so ist die mittlere Länge eines Wortes kürzer als bei allen bekannten Sprachen. Das wiederum spricht u.a. gegen Polynesisch. Es wurde auch bereits vermutet, dass der Text ohne Vokale aufgeschrieben wurde, wie es etwa bei alten hebräischen Texten der Fall war. Dadurch wäre die kurze Wortlänge erklärbar.
Aufgrund von unterschiedlichen Worthäufigkeiten in den verschiedenen
Abschnitten sprachen mehrere Forscher die Vermutung aus, dass das
Manuskript nicht in einer, sondern in zwei verschiedenen Sprachen
verfasst bzw. dass zwei verschiedene Codes verwendet wurden.Andere Forscher setzten bei den Illustrationen an. Der botanische Teil jedoch widersetzte sich einer Analyse. Bis heute konnte der Großteil der abgebildeten Pflanzen nicht identifiziert werden.
In der Astronomie-Sektion des Manuskripts hatte man mehr Erfolg. Immerhin konnten alle zwölf Tierkreiszeichen einwandfrei identifiziert werden. Anhand der Bilder zu den Tierkreiszeichen stellte man fest, dass es sich um die im westlichen Kulturkreis gebräuchlichen Sternbilder handelt. Das ist ein Indiz dafür, dass das Voynich-Manuskript wohl in Europa entstanden ist. Auffällig ist, dass der Tierkreis mit dem Sternzeichen Fische beginnt, und nicht mit dem Widder, wie man erwarten würde.
Eins der Symbole, das in der Astronomie-Sektion häufig als erstes Zeichen eines Wortes steht, wurde als Vorsilbe "al" gedeutet. Diese Vorsilbe kommt in vielen Sternennamen vor, da viele Bezeichnungen für Gestirne aus dem arabischen Sprachraum stammen (Beispiel: Aldebaran, der Hauptstern des Stiers).
Im "anatomischen Abschnitt" wird vermutet, dass es sich bei den
abgebildeten "Röhren" um innere Organe handelt. In diesem Abschnitt
gibt es ein weiteres Indiz dafür, dass der Ursprung des
Voynich-Manuskripts in Europa zu suchen ist: eine der "Nymphen" trägt
einen Hut auf dem Kopf, der für Florentiner Damenmode des 15.
Jahrhunderts typisch ist.Die Analyse der übrigen Abschnitte brachte bisher nichts Verwertbares zutage.
Das Fazit ist ernüchternd: bis heute ist nicht einmal zweifelsfrei geklärt, ob die Zeichen eines Voynich-Wortes für einzelne Buchstaben oder für ganze Silben stehen. Bis auf die Vorsilbe "al-" gibt es keinen Hinweis auf die Bedeutung einzelner Zeichen, und selbst "al-" wird von einigen Forschern bezweifelt.
Die Analyse der Illustrationen lässt vermuten, dass das Manuskript in Europa entstanden ist.
Aber die eigentliche Bedeutung des Voynich-Mansukripts ist bis heute unbekannt, das Rätsel auch nach Jahrzehnten der Forschung ungelöst.





