Die Merseburger Zaubersprüche
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- Veröffentlicht am Dienstag, 14. Juni 2005 02:00
- Geschrieben von volkmar
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Ein sensationeller Fund
Ein Zauberspruch dient dazu, "durch die Macht des gebundenen Wortes die
magischen Kräfte, die sich der Mensch dienstbar machen will, nutzbar zu
machen" (Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie, 2. Auflage
1995). Zaubersprüche sind, speziell aus dem germanischen Sprachraum, in
großer Zahl überliefert. Die meisten dieser Sprüche stammen aber aus
dem Mittelalter und sind daher christlich geprägt bzw. beeinflusst. In
den meisten Fällen wurden sie in kirchlichen Schriftstücken
aufgezeichnet.Es gibt jedoch zwei große Ausnahmen. Im Jahre 1841 untersuchte der Historiker Dr. Waitz in der Bibliothek des Merseburger Domkapitels eine theologische Sammelschrift aus dem 9./10. Jahrhundert. Bei dieser Untersuchung stieß er auf zwei Zauberformeln in althochdeutscher Sprache, die vorchristlichen Ursprungs waren. Bis auf den heutigen Tag sind dies die einzigen althochdeutschen Zaubersprüche heidnischen Inhalts, die schriftlich überliefert wurden.
Der sensationelle Fund wurde zur Begutachtung dem berühmten Forscher Jakob Grimm vorgelegt, einem der beiden Gebrüder Grimm, die durch ihre Märchensammlungen inzwischen Weltruhm erlangt haben und als Begründer der Germanistik gelten. Jakob Grimm bewertete den Fund vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin wie folgt: "Gelegen zwischen Leipzig, Halle, Jena ist die reichhaltige Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg von Gelehrten oft besucht und genutzt worden. Alle sind an einem Codex vorbeigegangen, der ihnen, falls sie ihn näher zur Hand nahmen, nur bekannte kirchliche Stücke zu gewähren schien, jetzt aber, nach seinem ganzen Inhalt gewürdigt, ein Kleinod bilden wird, welchem die berühmtesten Bibliotheken nichts an die Seite zu setzen haben...". Nicht zuletzt durch diese Bewertung wurden die beiden Zauberformeln schnell weltweit bekannt. Wegen ihres Fundortes werden sie heute die "Merseburger Zaubersprüche" genannt.
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