Informationen zu Tarot


Aufbau

Ein heute gebräuchlicher Tarot-Kartensatz besteht aus 78 Karten, die sich unterteilen in zwei Gruppen: zum einen die 22 Karten der Großen Arkana (von lat. "arcanum" = Geheimnis), zum anderen in die 56 Karten der Kleinen Arkana.

Die Kleinen Arkana bestehen aus vier Sätzen von je 14 Karten. Jeder Satz ist durch bestimmte Symbole gekennzeichnet (man spricht hierbei von "Farben"). Die vier Farben des Tarot sind Stäbe, Schwerter, Kelche und Scheiben (bzw. Münzen). Jede Farbe wird einem bestimmten Element zugeordnet. Die vierzehn Karten einer Farbe zerfallen in die vier "Hofkarten" König, Königin, Ritter und Bube sowie die zehn Zahlenkarten, die von As (=eins) bis zehn gehen.
In dieser Einteilung der Karten erkennt man unschwer die Verwandschaft zu den heute gebräuchlichen französischen bzw. deutschen Karten. Hier eine Vergleichstabelle:

TarotfarbeElementdeutsches Blatt(Gaigel/Binokel)frz. Blatt (Skat, Bridge, Rommé)
SchwerterLuftEichelKreuz
StäbeFeuerGras/BlattPik
KelcheWasserHerzHerz
Scheiben/MünzenErdeBollen/SchellenKaro


Wichtiger als die Kleinen sind jedoch die 22 Großen Arkana, die normalerweise von 0 bis XXI (römisch 21) numeriert werden. In ihren Motiven spiegeln sich Archetypen, Urbilder der menschlichen Seele, wider. Von 0 bis XXI gesehen, beschreiben die Großen Arkana dabei die spirituelle Entwicklung, die ein Mensch gehen sollte. In den französischen Karten ist von den Großen Arkana nur die Nr. 0 (der Narr) übriggeblieben, in Form des "Jokers".

Geschichte

Der oder das Tarot (laut Duden sind beide Pronomen erlaubt) stammt vermutlich ursprünglich aus der islamischen Welt. Es wurde erstmals 1377 urkundlich erwähnt, in vier Dokumenten aus den Städten Florenz, Paris, Basel und Siena. Die heutige Forschung geht davon aus, daß ein Kartenspiel, das den Vorläufer des heutigen Tarot darstellte, im 14. Jahrhundert aus der islamischen Welt nach Norditalien kam. Von Norditalien breitete es sich schnell über ganz Europa aus, wie die urkundlichen Erwähnungen - meistens Verbote - belegen. Die damaligen Varianten dienten hauptsächlich als Spielkarten, wurden aber vereinzelt auch zu Orakelzwecken eingesetzt.
Der Name "Tarot" taucht erstmals im 16. Jahrhundert auf, unter der italienischen Bezeichnung "Tarocci". Die Herkunft des Namens ist ungewiß; die einen tippen auf einen Ursprung im Tal des Taro (eines Nebenflusses des Po in Norditalien), die anderen sehen einen Bezug zur "Thora" (dem religiösen Gesetz des jüdischen Volkes, bestehend aus den fünf Büchern Mose).
Im 16. Jahrhundert bildete sich mit dem "Marseiller Tarot" die heute gebräuchliche Form des Tarots (78 Karten; Details s.o.) heraus.
1908 erschien das erste Tarotspiel, das ausschließlich esoterischen bzw. okkulten Zwecken diente. Es wurde entworfen von Arthur Edward Waite (1857-1942), der Mitglied des in England ansässigen esoterischen "Order of the Golden Dawn" war, dem später auch Aleister Crowley angehörte. Nach Mr. Waite und seinem Verleger, einem gewissen Mr. Rider, wird dieses Tarot "Rider-Waite-Tarot" genannt. Die Illustrationen entwarf die Künstlerin Pamela Colman Smith. Die Besonderheit dieses Tarot lag darin, daß erstmals alle Karten nach ihrer Bedeutung illustriert wurden. In früheren Tarots hatte etwa die Karte "Drei der Kelche" lediglich drei Kelche gezeigt; im Rider-Waite-Tarot befindet sich dort ein Bild, das die Bedeutung der Karte ausdrücken soll.
1945 erschien ein weiterer wichtiger Tarot. Entworfen wurde dieser von dem berühmt-berüchtigten Okkultisten und Magier Aleister Crowley. Die Bilder auf den Karten malte die englische Künstlerin Lady Frieda Harris. Crowley nahm gegenüber dem überlieferten Tarot einige Umstellungen vor, so wurde etwa aus der Großen Arkana XX ("Das Weltgericht") bei ihm das "Äon" ("das neue Zeitalter des Horus", das Crowley heraufdämmern sah). In seinem "Buch Thoth" erklärte Crowley sein Tarot ausführlich. Seine Deutung der Karten basiert auf der Kabbala.
Im Zuge des Esoterik-Booms der Siebziger und Achtziger Jahre gewann der Tarot immer mehr an Verbreitung. Hierzu trug auch der James-Bond-Film "Live and Let Die" (dt. "Leben und sterben lassen") bei, in dem der Tarot eine wichtige Rolle spielt. Neben den bereits erwähnen Rider-Waite- und Crowley-Tarotkarten werden insbesondere die von den Künstlern Haindl und Dali gestalteten Kartensätze heute sehr gerne verwendet.
In der Gothic-Szene ist außerdem noch der 1989 erschienene Baphomet-Tarot beliebt, der allerdings nur aus den Großen Arkana besteht. Benannt ist er nach Baphomet, dem rätselhaften Wesen, das die Tempelritter angeblich angebetet haben sollen. Die 22 Karten wurden gestaltet von dem bekannten Schweizer Künstler H.R. Giger, der in der Szene absoluten Kultstatus genießt. Die Hintergründe werden erläutert von dem bekannten Schweizer Esoteriker Akron (alias C.F. Frey). Dieser Tarot beschäftigt sich insbesondere mit den Schattenseiten der menschlichen Seele.

Legung und Deutung

Dieser Abschnitt soll ein paar allgemeine Leitlinien und Tipps für den richtigen Umgang mit Tarotkarten geben. Gerade in Bezug auf Tarot sind sehr viele Gerüchte und falsche Klischee-Vorstellungen im Umlauf, die dieser Artikel ausräumen soll.
Beginnen wir mit der Orakelfunktion des Tarot, mit der angeblichen Fähigkeit der Tarotkarten, die Zukunft vorherzusagen. Diese Vorstellung finden wir u.a. in dem oben erwähnten James-Bond-Streifen, wo sich der Erzschurke Kananga u.a. einer tarotlegenden Hellseherin bedient, um Maßnahmen der Polizei vorherzusehen. Hierzu sei klar festgestellt: Die Tarotkarten können sehr vieles, aber eins vermögen sie nicht: die Zukunft vorherzusagen.
Die Symbole, die auf den Tarotkarten abgebildet sind, sind Archetypen. Sie wirken daher direkt auf das Unterbewußtsein. Insofern helfen die bei einer Legung gezogenen Karten, Zusammenhänge bewußt zu machen, die man vorher nicht erkannt hat. Insofern kann eine Tarotlegung auch mögliche zukünftige Entwicklungen aufzeigen; daher das Mißverständnis, Tarot könne "die Zukunft vorhersagen". Hierbei handelt es sich aber nur um mögliche Entwicklungen, nicht um zwangsläufig eintretende Ereignisse! Es ist im Prinzip jederzeit möglich, einer durch eine Tarotlegung erkannte Fehlentwicklung aktiv entgegenzuwirken.
Auch die Deutung von Tarotkarten ist nicht unumstritten. Aleister Crowley orientierte sich bei der Deutung der Großen Arkana an der Kabbala; aber diese Deutung ist nicht jedermanns Sache, und sie ist auch nicht die einzig mögliche. Andere etwa orientieren sich eher an einer astrologischen Deutung, bei der jede Karte einem Tierkreiszeichen bzw. einem Planeten zugeordnet wird. Es gibt auch Versuche, jeder Karte der Großen Arkana eine altgermanische Rune zuzuordnen, und noch einige andere Deutungen mehr. Es sei jedem Anwender empfohlen, sich das System herzunehmen, das ihm rein gefühlsmäßig am ehesten zusagt.
Auf die Karten im einzelnen will ich hier nicht mehr eingehen, aber ein weitverbreitetes Mißverständnis will ich doch ausräumen. Eine Karte, die Anfänger immer wieder erschreckt, ist die Große Arkana Nr. XIII: Der Tod. Tarot-Unkundige neigen beim Anblick dieser Karte spontan, sie dahingehend zu deuten, daß entweder sie selbst oder ein ihnen nahestehender Mensch bald sterben muß. Weit gefehlt! Der Tod steht symbolisch/archetypisch für "das Ende". Das muß nicht zwangsläufig das Lebensende sein. Genausogut kann die Karte einfach bedeuten, daß ein Lebensabschnitt zu Ende geht. Insofern kann die Karte sogar positiv sein (falls der betreffende Lebensabschnitt von unangenehmen Dingen geprägt war). Vor allem sollte man nie vergessen, daß jedes Ende einen Neubeginn beinhaltet - und daß oftmals nur dann etwas Neues entstehen kann, wenn vorher etwas Altes Platz gemacht hat.
Unter dem Stichwort "Tarotbücher" besprechen wir zwei Bücher zum Thema Tarot.