Corvus Corax - Cantus Buranus live in Berlin


cantus_buranus_dvd.jpgDVD, Roadrunner Records//Universal, 2006

Letztes Jahr betraten Corvus Corax, die „Könige der Spielleute“, musikalisches Neuland: Mit „Cantus Buranus“, einer Vertonung von zwölf Liedern aus der mittelalterlichen Liederhandschrift „Carmina Burana“, durchbrachen sie die Grenzen der Mittelaltermusik in Richtung Klassik. „Cantus Buranus“ machte Furore - und gleichzeitig neugierig. Denn Corvus Corax kündigten zusammen mit der CD zwei außergewöhnliche Konzerte an. Beide Konzerte sollten stattfinden im August 2005 an einem besonderen Ort: der Berliner Museumsinsel. Tatsächlich fanden am 19. bzw. 20. August genau diese beiden Konzerte statt, im Rahmen des Museumsinselfestivals. Als malerische Kulisse diente die alte Nationalgalerie.
Ein Zusammenschnitt der beiden Cantus Buranus-Konzerte liegt nun auf DVD vor.
Nach einem kurzen Vorspann zeigt die DVD ein stilvoll gehaltenes Menü. Zur Auswahl stehen neben dem Konzertmitschnitt selbst eine Dokumentation über Vorbereitung und Ende der beiden Konzerte.

Beim Mitschnitt der Konzerte wurden weder Kosten noch Mühen gescheut. Die mit dem Filmen beauftragte Firma PH Wert setzte nicht weniger als neunzehn (!) Kameras ein, dazu zwei Kräne und ein Dolly. Den Aufwand merkt man der DVD an. Die Show wird aus mehreren Perspektiven gezeigt: Großaufnahmen einzelner Bandmitglieder und anderer Musiker, der gesamte Chor, das gesamte Orchester, Corvus Corax als Ganzes, die gesamte Bühne, Kamerafahrt über das Publikum, alles wechselt sich miteinander ab. Die Zusammenstellung wirkt gelungen. Auch der Ton (Dolby Surround Sound 5.1) kommt hervorragend rüber.

Die Liste der Mitwirkenden an diesem außergewöhnlichen Konzert ist ellenlang: neben Corvus Corax wirkten das Philharmonische Orchester sowie der Opernchor des Staatstheaters Cottbus mit, das Orchester geleitet von Jörg Iwer. Dazu kommen der Chor Uvan Pl. Zajc (Zagreb), das Vokal-Ensemble Psalteria aus Prag, Bela Kasa (Gordon, Ungarn), die Sopranistin Ingeborg Schöpf, das Stelzentanztheater Feuervogel sowie das Showteam Escalibur mit vier friesischen Hengsten. Letztere zogen einen Streitwagen, auf dem Corvus Corax vor die Bühne gefahren wurden. Insgesamt wirkten 180 (!) Musiker mit – aus mehreren Ländern, wie die vorgenannte Aufzählung zeigt.

Ebenso besonders war der Auftritt von Ingeborg Schöpf: sie stand auf einem großen Schild, der von sechs jungen Männern hereingetragen wurde – eine Szene, die ein wenig an Majestix, den Gallier-Häuptling aus „Asterix“, erinnerte. Ingeborg Schöpf steckte in einem aufwändigen Kostüm, was sie aber nicht daran hinderte, eine gesangliche Spitzenleistung zu geben.
Spitzenleistung – das ist das Wort, mit dem sich das gesamte Konzert am besten umschreiben läßt. Alle Musiker gaben ihr Bestes, und es ist unmöglich, alle Details zu beschreiben. Die DVD muss man einfach gesehen haben.

Neben dem Konzertmitschnitt – zusammengestellt aus beiden Konzertabenden – befindet sich auf der DVD eine 25minütige Doku, die die Entstehungsgeschichte von „Cantus Buranus“ sowie die Konzertvorbereitungen beleuchtet. Erkennbar wird darin der Wille der Band, eine Brücke zwischen E- und U-Musik zu schlagen, zwei Bereiche, die in Deutschland immer noch streng getrennt werden. Hoffen wir, dass Corvus Corax dieser Brückenschlag gelingt.

Homepage von Corvus Corax: http://www.corvuscorax.de
Homepage speziell zu Cantus Buranus: http://www.cantus-buranus.de

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