Nightwish, Jahrhunderthalle Frankfurt, 25.02.2008


NightwishMit Spannung wartete ich auf mein erstes Nightwish Konzert, bei dem Anette Olzon am Mikrofon stehen würde. Wie würde die schwedische Sängerin sich machen? Wie würde sie mit dem Rest der Band zusammenspielen?

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in der Jahrhunderthalle Frankfurt. Diese Halle ist normalerweise auf Kunstausstellungen und Aktionärsversammlungen ausgelegt, was man z.B. am Catering merkte; zumindest ist Radeberger Bier bei Musikfestivals eher unüblich. Die Örtlichkeiten sind gut eingeteilt: aus der Eingangshalle führt eine breite Treppe nach oben, dort kommt man zunächst in ein Foyer und dann „um die Ecke" in den eigentlichen Saal. Dieser fasst laut Homepage der Jahrhunderthalle bei „Teilbestuhlung" etwa 4.800 Besucher, und so viele dürften es auch gewesen sein.


Die Anreise gestaltete sich problemlos. Direkt vor der Halle standen ausreichend Parkplätze zur Verfügung, und das obwohl die Halle laut Nightwish-Website komplett ausverkauft war (mit anderen Worten: 4.800 Besucher, siehe oben).

Etwa um viertel nach acht eröffnete die Vorgruppe Pain das Konzert. Ihr Auftritt war nett, aber mehr nicht. Von Peter Tägtgren, u.a. Begründer von Hypocrisy, hätte ich eigentlich mehr erwartet.

Nach einer Umbaupause, die zwar eigentlich recht kurz war, aber „gefühlt" viel zu lange dauerte, betrat als erstes Jukka Nevalainen, der Drummer, die Bühne, begrüßt von lebhaftem Applaus des Publikums. Ihm folgten kurz hintereinander Bandgründer Tuomas Holopainen an den Keyboards, Emppu Vuorinen an der Gitarre und Marco Hietala am Bass. Als letztes erschien die Person, die ich mit großer Spannung erwartet hatte: Anette Olzon, die neue schwedische Sängerin. Von ihrem stimmlichen Qualitäten konnte ich mich bereits auf „Dark Passion Play" überzeugen, aber trotzdem war ich gespannt, wie sie live wirkte.

Bereits beim Opener „Bye Bye Beautiful" wirkte sie ganz anders als Tarja Turunen, ihre Vorgängerin. Während letztere immer relativ distanziert, ja sogar unterkühlt gewirkt hatte (u.a. zu sehen auf der DVD „End of an Era"), bewegte sich Anette ganz anders. Lebhaft sprang sie auf der Bühne herum, rannte in Gesangspausen zum Keyboard, zum Schlagzeug etc. Ein- oder zweimal kam mir das Wort „Gummiball" in den Sinn. Auffallend war auch, dass sich Anette bereits sehr gut in die Band eingegliedert hatte, sie wirkte immer wie ein fester Bestandteil von Nightwish.
„Bye Bye Beautiful" war in zweierlei Hinsicht als Opener gut gewählt: zum einen ist es die aktuelle Single, zum anderen ist es recht flott. Außerdem ist es textlich ein Abgesang auf Tarja Turunen - ein Schelm, wer böses dabei denkt. :-)
Außerdem stachen bereits bei diesem Song die zahllosen Pyroeffekte ins Auge. Wer immer der Pyrotechniker war, er leistete ganze Arbeit. Bei einem späteren Song (siehe unten) gab es sogar Feuerräder zu bewundern. Insgesamt erreichte die Pyrotechnik eine Stärke von fünfhundert bis sechshundert Millirammstein :)

Das Konzert wurde fortgesetzt mit „Cadence of her last breath". Beide Lieder hatten Anette Olzon, soweit ich es beurteilen konnte, nicht sonderlich gefordert. Aber dann wurde es spannend, denn nun kam der erste Nightwish-Klassiker: „Dark Chest of Wonders" vom 2004er Album „Once". Hier war nun ein Direktvergleich zwischen Anette und Tarja möglich. Und bei diesem Vergleich schnitt/schneidet Anette erstaunlich gut ab. Anettes Gesangsstil ist völlig anders - weder schlechter noch besser als Tarjas, sondern eben anders. Bei Passagen, die sie aufgrund der geforderten Höhen nicht schafft, singt sie einfach tiefer - aber was sie vortrug, passte trotzdem sehr gut zu den Instrumenten. Ihre Ansagen zwischen den Titeln zeugten von Humor und bewiesen, dass sich Anette selbst nicht soo schrecklich ernstnahm.

A propos Instrumente: Bei „Dark Chest of Wonders" drehten insbesondere Marco und Emppu voll auf. Spätestens bei diesem Song war „das Eis gebrochen", die Zuschauer feierten den Song mit frenetischem Beifall.

Danach folgte ein weiterer Klassiker: „Ever Dream", gefolgt von „The Siren", bei dem neben Anette auch Tuomas glänzte. Ebenfalls gelungen war „Amaranth", hier war Anette sichtlich in ihrem Element. Der Song scheint ihr richtig auf den Leib geschrieben zu sein.

Einer der Höhepunkte des Abends war paradoxerweise (oder gerade deswegen?) das ruhige „The Islander", das Marco ursprünglich für seine eigene Band Tarot geschrieben hatte. Unterstützt von Anette trug er es an der Gitarre vor.
Diesem ruhigen Stück schloss sich direkt „The Poet And The Pendulum" an, mein Lieblingsstück vom aktuellen Nightwish-Album. TPATP, wie es von den meisten Fans abgekürzt wird, ist quasi das Gegenteil von „The Islander": monumental und voller Tempowechsel. Hier gaben alle Bandmitglieder ihr bestes, insbesondere Anette und Marco, die sich an den Mikrofonen abwechselten. Natürlich mussten die Orchesterpassagen vom Band kommen - das London Symphony Orchestra hätte auf der Bühne keinen Platz mehr gehabt, von den Kosten ganz zu schweigen. Passenderweise kamen bei „The Poet And The Pendulum" die oben erwähnten Feuerräder zum Einsatz.

Zwischendurch bewies die Band Humor, als Marco einen „sehr friedlichen, netten Titel" ankündigte: „Slaying The Dreamer". Danach kündigte Anette an, dass leider jedes Konzert einmal zu Ende gehen müsse, auch dieses; aber mit Applaus könne man sie (die Musiker) wieder „vom Büffet, von der Toilette" usw. wegholen.  Durch Applaus ließ sich die Band noch zum wohl unvermeidlichen „Nemo" bewegen und verließ die Bühne. Aber die nach diesem Konzert unvermeidlichen „standing ovations" sorgten dafür, dass alle wiederkamen und noch drei weitere Titel darboten: „7 Days To The Wolves", „Wishmaster" und „Wish I Had An Angel". Mit diesem Nightwish-Klassiker, der einen weiteren Höhepunkt an Pyroeffekten mit sich brachte, endete das Konzert (wobei die zahllosen, genau getimeten Effekte natürlich beweisen, dass diese „Zugabe" von vornherein eingeplant gewesen war :) )

Insgesamt war es ein wunderbares und lohnendes Konzert in einer hervorragenden Atmosphäre. Anette Olzon ist endgültig aus dem Schatten ihrer Vorgängerin herausgetreten und ein integraler Bestandteil von Nightwish geworden. Wer Symphonic Metal mag, wird nach wie vor an dieser Band nicht vorbeikommen. Auf der nächsten Tournee werde ich auf jeden Fall Nightwish wieder besuchen.

Hier nochmals die Playlist:

1. Bye Bye Beautiful
2. Cadence of Her Last Breath
3. Dark Chest of Wonders
4. Ever Dream
5. The Siren
6. Amaranth
7. The Islander
8. The Poet and the Pendulum
9. Whoever Brings The Night
10. Slaying the Dreamer
11. Nemo
Ende des regulären Teils
Zugabe 1: 7 Days to the Wolves
Zugabe 2: Wishmaster
Zugabe 3: Wish I had an Angel


Links:

Bands:

http://www.nightwish.com/

http://www.pain.cd/ 

Location:

http://www.jahrhunderthalle.de/

Darkweb Artikel:

Band Review:
Nightwish

CD Reviews:
Nightwish - Amaranth
Nightwish - Dark Passion
Nightwish - Eva

DVD Reviews:
Nightwish - End of an Era