Tarja - "Storm over Europe"-Tour, Schlachthof Wiesbaden, 14.05.2008


Tarja live Auf dieses Konzert hatte ich mich schon seit langem gefreut. Im Rahmen ihrer „Storm over Europe "-Tour brachte Tarja  Turunen zusammen mit ihrer Begleitband auch frischen Wind in den Schlachthof Wiesbaden .

Außerdem waren gleich zwei Vorgruppe angekündigt. Wie würden diese klingen? Würden sie zu Tarja passen?





Schlachthof Wiesbaden - Schlange vor Tarja-Konzert Der Schlachthof liegt sehr verkehrsgünstig in der Wiesbadener Innenstadt, nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Im Inneren gibt es zwei Räume, in denen Konzerte stattfinden: zum einen die große Halle, zum anderen die sog. „Räucherkammer". Das Tarja-Konzert fand aufgrund des Andrangs natürlich in der großen Halle statt.

Vor dem Konzert gab es zwei Einlässe. Witzigerweise stellten sich praktisch alle Leute links an, so dass ich rechts sofort durchkam, ohne lange Wartezeit.

Tarja Halle Die Halle selbst war recht groß. Ein kleiner Teil hinten war abgesperrt wegen Bauarbeiten. Der Rest der Halle war zu schätzungsweise 80% gefüllt, das Konzert war also nicht ganz ausverkauft. Über den Daumen gepeilt waren ein paar hundert Besucher anwesend.

Ab 19 Uhr war Einlass, kurz vor acht begann das Programm.





Doug Wimbish & Co.: Aufwärmen

Den Anfang machte der Basser Doug Wimbish, begleitet von Alex Scholpp, Mike Terrana und einigen anderen Bandmitgliedern. Wie schon auf „My Winter Storm" erwies sich Doug als brillanter Bassist, dafür ist seine Stimme nur durchschnittlih (egal, man kann nicht alles können). In einem Lied drückte er sehr plakativ aus, was er von Herrn Dubbeljuh hält - gar nichts.

The Dogma. Kaputtgemixt

Anschließend folgte als zweite Vorgruppe die italienische Power Metal-Band The Dogma http://en.wikipedia.org/wiki/The_dogma  Über das Spiel dieser Gruppe kann ich leider nichts aussagen, da der Soundmix auf einmal so schlecht war, dass ich die Musik als unangenehm empfand und mir gegen Ende sogar Teile eines Papiertaschentuches in die Ohren stopfen musste. Zuerst dachte ich, es wäre die schlechte Akustik. Nachdem aber Tarja durchaus normal klang, habe ich den Verdacht, dass die Vorgruppe bewusst „kaputtgemixt" wurde. Dies istt natürlich nur ein Verdacht, Beweise dafür habe ich nicht. Aber es war schon auffällig,.dass sowohl Doug Wimbish & Co. als auch Tarja deutlich besser klangen.

Die Praxis, Vorgruppen schlecht abzumischen, hat in den letzten Jahren leider zunehmende Verbreitung gefunden. Meistens geht dies vom Tour- oder vom Bandmanagement aus (vom Hauptact dagegen praktisch nie). Dahinter steht die Befürchtung, die Vorgruppe könnte dem Hauptact die Schau stehlen. In den allermeisten Fällen halte ich diese Sorge für völlig unbegründet. Abgesehen davon frage ich mich, warum jemand, der soviel Angst vor einer Vorgruppe hat, diese überhaupt auftreten lässt. Wäre es nicht sinnvoll, unter solchen Umständen auf Vorgruppen ganz zu verzichten? Kaputtmixen ist meiner Meinung nach eine Perversion musikalischen Denkens, es ist ein Betrug an der Vorgruppe und an den zahlenden Zuschauern, die sich im Extremfall (wie bei mir) Gehörschutz verschaffen müssen. Nebenbei wirft es ein schlechtes Licht auf die Hauptband . Liebe Verantwortliche, bitte lasst diesen Sch... bleiben!

Um wieder auf das Konzert zurück zu kommen: bei The Dogma hatte ich zeitweise den Eindruck, dass die Band nicht schlecht ist. Aber aufgrund des schlechten Soundmixes kann ich mir darüber letzten Endes kein Urteil erlauben.

Tarja

Kurz nach 21 Uhr betrat die von mir lang ersehnte Tarja die Bühne. Sofort legte sie los mit „Lost Northern Star", dem dritten Song des aktuellen Albums „My Winter Storm". Danach folgte „My Little Phoenix".

Als drittes kam nun der erste Titel aus Tarjas Nightwish-Zeit. „Passion And The Opera", das vom Album „Oceanborn" stammt. Wie gewohnt meisterte Tarja auch die Koloraturen am Ende des Titels ohne Schwierigkeiten. Für mich war dieser Song das erste Highlight des Konzerts.

Tarja live„Passion And The Opera" sollte nicht der einzige Nightwish-Song bleiben. An fünfter Stelle folgte „Nemo", ein weiterer Nightwish-Klassiker. Dieser Song ermöglicht einen interessanten Vergleich, da auf dem Nightwish-Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle dieses Lied ebenfalls gespielt wurde, nur von Nightwish eben. Mir gefiel die Tarja-Version stimmlich besser, instrumental dagegen sehe ich einen leichten Vorteil für Nightwish gegenüber Tarjas Begleitband.

Nach „Nemo" folgte „I Walk Alone", der wohl bekannteste Titel von „My Winter Storm", gleichzeitig die erste ausgekoppelte Single. Auch dieser Song war für mich ein Highlight. Direkt danach ein weiterer Titel vom Solo Album „Ciaran's Well", ein Lied, das im Rahmen der Studioaufnahmen für das Album in Irland entstand. Hier legten insbesondere Doug Wimbish und Alex Scholpp voll los.

Vor „I Walk Alone" wechselte Tarja übrigens das erste Mal ihr Kleid,  wenn ich mich richtig erinnere. Im Laufe des Abends sollten noch drei weitere Kleider folgen.

Als ein Lied mit Überraschungen erwies sich der neunte Titel, „Over The Hills And Far Away", ein Gary Moore-Cover, das bereits zu Nightwish-Zeiten von Tarja gecovert worden war. Die Überraschung lag darin, dass sie am Mikrophon von ihrem Bruder Toni unterstützt wurde. Natürlich hat Toni nicht die Stimme seiner Schwester, geschweige denn deren Ausbildung, aber sein Gesang passte zum Lied. Die musikalische Begabung muss wohl in der Familie liegen.

Tarja am KeyboardDirekt nach „Over The Hills And Far Way" kam "The Reign", ein stimmlich anspruchsvolles, ruhigeres Stück. Weitere Highlights des regulären Teils waren „Sing For Me" und eine weitere Überraschung: bei „Oasis", einem von Tarja geschriebenen Liebeslied in finnischer Sprache, setzte sie sich an ein Nord-Keyboard und trug das Lied alleine vor, ohne Begleitung.

Der reguläre Teil des Konzertes endete mit dem Alice Cooper-Cover „Poison", ein Lied, das unter Tarja-Fans sehr umstritten ist; mir gefällt es jedoch. Aber natürlich durfte Tarja nicht ohne Zugaben nach Hause gehen, also gab es noch eine  sehr gute Version von „Wishmaster" (ein weiterer Nightwish-Klassiker), die neue Single „Die Alive" und als letztes die ruhige Ballade „Calling Grace", die aber nicht zu meinen Lieblingsstücken gehört.

Fazit: es handelte sich, was den Tarja-Teil des Abends betraf, um ein geniales Konzert - für mich das bisher beste im Jahre 2008. Tarja hat sich mit genialen Musikern umgeben, allen voran Doug Wimbish (Bass), Alex Scholpp (Gitarre), Mike Terrana (Drums), Marie Ilmoinen (Keyboards) und ihrem Bruder Toni (Drums, Gitarre, zeitweise Gesang). Der Rest war weniger gut, der Soundmix bei „The Dogma" ärgerlich. Trotzdem würde ich Tarja bei der nächsten Tour oder einer anderen Gelegenheit jederzeit wieder sehen wollen. Die Lichteffekte waren hervorragend, der Soundmix beim Hauptact sehr gut.


Playlist:

01 Lost Northen Star
02 My Little Phoenix
03 Passion And The Opera
04 Minor Heaven
05 Nemo
06 I Walk Alone
07 Ciaran's Well
08 Our Great Divide
09 Over The Hills And Far Away
10 The Reign
11 Sing For Me
12 Oasis
13 Poison
Zugaben:

14 Wishmaster
15 Die Alive
16 Calling Grace